„Die Trachtenfrau“ Margit Hummel im Bayerischen Fernsehen bei „la Vita“

Ein Team des Bayerischen Fernsehns war zu Gast bei der Friedbergerin Schneiderin Margit Hummel und stellt ihre Arbeit, ihren Beruf, der auch zu ihrem Hobby wurde, in der Sendung „la Vita“ im 3. Programm des Bayerischen Fernsehens vor. Da Margit Hummel auch eng mit der Trachtenkulturberatung des Bezirks Schwaben verbunden ist und Kurse erteilt, war auch das Krumbacher Landauer Haus einer der Drehorte. Sendetermin ist Donnerstag, 4. März 2010 um 19 Uhr.

Schürze, Mieder, Tradition: die schwäbische Trachtenfrau

Bereits mit drei Jahren konnte sie einen Faden in die Nadel einfädeln. Und bereits damals nähte sie Kleider – für ihre Puppen. Und bereits die sahen verdächtig nach Trachten aus. Und so ist es bis heute geblieben: Margit Hummel ist Schneiderin. Und sie liebt Trachten. Die bayerisch-schwäbischen.

Trachten aus Schwaben bestimmen ihr Leben – und das schon seit frühester Kindheit. „Ich meine, ich muss das irgendwie in den Genen haben, weil ich immer schon so eine Tendenz zu Trachtensachen gehabt habe. Da haben sie mich immer ausgelacht: Du als Stadtkind”, erinnert sich die Frau aus Friedberg bei Augsburg zurück. Noch heute sieht sie sich auf einem Schemel bei der Mutter sitzen, in den Händen einen Stoffrest, Nadel und Faden. Ihr Berufswunsch war schon in diesen Momenten klar. Doch ihren Traum umzusetzen, das schien dann für die herangewachsene junge Frau gar nicht so einfach. Zunächst zumindest. Wäre da nicht besondere Liebe zur Tracht gewesen. “Die Idee, Schneiderin zu werden, haben mehrere gehabt. Damals war Lehrstellenknappheit ohne Ende. Geburtenstarke Jahrgänge und um jede Lehrstelle haben sich ungefähr 70 bis 100 Bewerber gestritten. Aber ich habe meine Tracht dabei gehabt als Arbeitsprobe – und zum Schluss habe ich zwei Zusagen gehabt”, erinnert sie sich.

Farbenpracht
Doch was macht die schwäbische Tracht denn so besonders? Zum einen ist es ihre Farbenpracht. Eine Schwäbin, die etwas auf sich hält, trägt ein besonders farbenfrohes Mieder. Allerdings muss man da Unterschiede machen, wie Margit Hummel betont. „Es gibt evangelische Ecken in Schwaben und es gibt katholische Ecken und die unterscheiden sich in der Farbenfreude. Sie haben die gleichen Gewänder gehabt. Die Evangelischen waren eher schwarz orientiert, aber die Katholischen lassen es natürlich krachen“, sagt sie, die mittlerweile auch noch Theologie studiert.

Geschnürt und faltenfrei
Es sind auch die Trachten aus alten Zeiten, die Margit Hummel faszinieren – deswegen engagiert sie sich auch in der Trachtenberatungsstelle von Bayerisch Schwaben in Krumbach und gibt hier Trachtennähkurse. Das Schneidern von Trachtenmiedern, dem absoluten Herzstück der bayerisch-schwäbischen Tracht, dauert im Schnitt 200 Arbeitsstunden. Kein Wunder, nahmen sich die Schwäbinnen doch anno dazumal die aufwändige höfische Kleidung zum Vorbild für ihr Festtagsgewand. Doch der Aufwand lohnt sich in jedem Fall, findet Margit Hummel, denn so ein Mieder ist ja nicht nur schön anzuschauen, sondern es kann auch wahre „Wunder“ wirken. „Wenn der Körper der Frau Falten wirft, dann finden die Männer das nicht so begeisternd. Mit so einem schönen Mieder wirft aber keine Frau mehr Falten. Das hält ein paar Jahre länger jünger. Das gefällt den Männern auch“, sagt die Schneiderin.

Nicht „fremdtrachteln“!
Und aufgrund all dieser Vorteile und Schönheiten kann es Margit Hummel auch überhaupt nicht verstehen, wenn sich so manch bayerischer Schwabe anderweitig orientiert. „In Augsburg haben wir zum Beispiel auch einen Trachtenverein, der die Miesbacher Tracht sein eigen nennt. Und entsprechend auch Schuhplattelt, was hier überhaupt nicht üblich war. Wir haben eigene Tanzformen. Man könnte überspitzt sagen, dass die Miesbacher Tracht, dass das ein Arbeitsgewand ist und Arbeit im bäuerlichen Bereich war Knechtssache. Kurz gesagt, es ist eigentlich ein Knechtsgewand und mit dem würden wir nie in die Kirche gehen oder irgendetwas. Da gehört eine lange, gescheite Hose her. Das sehens bei uns auch net, wir haben da einen Anstand“, sagt sie.

Text „My Heimat“